Der EuroCloud Summit hat sich als Community-Event für die Mitglieder von EuroCloud Deutschland etabliert. Mit weit über 100 Teilnehmern wurde beim diesjährigen Summit in Köln ein Besucherrekord aufgestellt. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung der EuroCloud Awards 2026 in vier Kategorien.

Künstliche Intelligenz verändert die Wertschöpfung in nahezu allen Branchen. Zugleich sorgt sie für einen enormen Wachstumsschub in der Cloud-Wirtschaft. Davon profitieren insbesondere die außereuropäischen Hyperscaler, was bestehende Abhängigkeiten weiter verstärken kann. Vor diesem Hintergrund haben sich KI und Souveränität zu den bestimmenden Themen fast aller aktuellen Cloud-Veranstaltungen entwickelt.
Das war nicht anders beim EuroCloud Summit 2026, der am 8. Oktober beim Mitglied plusserver in Köln-Porz stattfand. „Cloud reloaded in Zeiten von KI und Souveränität“ lautete das Motto. In diesem Jahr kamen erstmals deutlich mehr als 100 Mitglieder zu dem Event – ein Besucherrekord. Das Programm verband unterschiedliche Perspektiven auf KI und digitale Souveränität mit intensiven Diskussionen und persönlichem Austausch.

Urteilsfähig trotz Unschärfe
Inhaltliche Schwerpunkte setzten Tessa Pfattheicher, Geschäftsführerin beim Münchner IT-Dienstleister iteratec, und Jörn Petereit, Managing Partner bei IT Capital Partners aus Hamburg, mit ihren Keynotes. „Mit Unschärfe umgehen – KI-Transformation zwischen Strategie und Experiment“ lautete der Titel von Pfattheichers Vortrag. Darin schilderte sie den Weg von iteratec zur Human-Agent-Organisation und die Erfahrungen, die das Unternehmen dabei gesammelt hat. Eine KI-Transformation sei im Kern eine Disruption von allem, was wir bisher über Arbeit, Führung und Organisation zu wissen glaubten, sagte die Münchner Informatikerin. Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbietern neue Formen der Zusammenarbeit, geben Orientierung und schaffen klare Leitplanken. Die Beteiligten müssen dabei nach Pfattheichers Worten lernen, mit der Unschärfe umzugehen, die KI-Systemen eigen ist. Sie sind nicht immer konsistent oder vorhersehbar. „Die entscheidende Kompetenz liegt darin, trotzdem urteils- und handlungsfähig zu bleiben.“

Durchblick trotz Sovereignty Washing
Unter dem Titel „Souveränität ist messbar: Zwischen GmbH-Kulisse und EU-Flagge“ setzte sich Jörn Petereit kritisch mit Sovereignty Washing auseinander, das sowohl von amerikanischen als auch von europäischen Cloud-Anbietern betrieben werde. Weder operativ eigenständige Landesgesellschaften noch lokale Rechenzentren oder europäische Eigentumsverhältnisse seien für sich genommen ein ausreichender Beleg für digitale Souveränität. Als Orientierungshilfe stellte der Hamburger IT-Unternehmer den „Sovereign Cloud Compass“ vor, eine von ihm entwickelte Metrik, mit der sich Cloud-Souveränität anhand transparenter Kriterien und belastbarer Nachweise bewerten lässt. Gemessen an diesen Kriterien könne bislang kein Anbieter vollständige Souveränität nachweisen – auch kein europäischer. „Digitale Souveränität ist kein Zustand, sondern ein Spektrum von mehreren Dimensionen, die man messen kann.“
Souveränität ist keine Autarkie
Beim anschließenden Panel diskutierte Petereit seinen Ansatz im Dialog mit Dr. Marc Wilczek, CEO bei plusserver, Helen Wohlfarth, Managing Director bei OVHcloud, und Ulrich Seibold, VP Global Service Provider & ISV bei Hewlett Packard Enterprise. Trotz unterschiedlicher Perspektiven waren sich die Panelteilnehmer in einem Punkt einig: Digitale Souveränität darf nicht mit Autarkie verwechselt werden. Auf absehbare Zeit sei es kaum realistisch, dass sich Europa über den gesamten Cloud-Stack hinweg von außereuropäischen Anbietern unabhängig macht. Entscheidend sei vielmehr, Abhängigkeiten bewusst einzugehen und so zu gestalten, dass ein Anbieterwechsel auch bei veränderten Rahmenbedingungen oder außergewöhnlichen Vorfällen möglich bleibe.
Spannende Impulse kamen bei der Diskussion auch aus dem Publikum. Einige Teilnehmer verwiesen auf das europäische Förderprogramm IPCEI-CIS und die daraus hervorgegangene 8ra-Initiative, die gemeinsam den Aufbau einer leistungsfähigen, interoperablen und souveränen europäischen Cloud-/Edge-Infrastruktur vorantreiben. Zustimmend äußerten sich dazu die Vertreter der beiden europäischen Anbieter. Die Zukunft der europäischen Cloud-Wirtschaft liege demnach in einem föderierten Ökosystem. Standardisierte Architekturkomponenten und offene Schnittstellen sollen darin die Interoperabilität und Portabilität zwischen den Plattformen der Provider gewährleisten.
KI treibt die Diversifizierung der Cloud-Strategien
Warum Souveränität für deutsche Unternehmen zunehmend zu einem wesentlichen Entscheidungskriterium bei der Anbieterwahl wird, untersucht der „EuroCloud Pulse Check 2026“. Ercan Hayvali, Senior Analyst bei techconsult, präsentierte in Köln die zentralen Ergebnisse der Studie, die inzwischen zum sechsten Mal erscheint. In diesem Jahr trägt sie den Titel: „Europas Cloud-Chance im KI-Zeitalter: Zwischen Innovation, digitaler Souveränität und europäischer Resilienz“.
Der Pulse Check zeigt, dass insbesondere KI die Diversifizierung der Cloud-Strategien treibt. Für Cloud-Anwender gewinnen dabei europäische Provider als zusätzliche Option in Multi-Cloud-Umgebungen an Bedeutung. So planen 53 Prozent der befragten Unternehmen, europäische Cloud-Anbieter für KI-Anwendungen einzusetzen, gegenüber 40 Prozent bei der aktuellen Nutzung. Ein tatsächlicher Anbieterwechsel bleibt allerdings technisch und wirtschaftlich anspruchsvoll.

Wettbewerb um den EuroCloud Award 2026
Wie üblich bot der Summit auch den EuroCloud-Mitgliedern die Gelegenheit, sich auf der Bühne zu präsentieren: beim Format „Neue Mitglieder stellen sich vor“ und beim Wettbewerb um den EuroCloud Award 2026. Neun Nominierte präsentierten ihre Projekte in jeweils fünfminütigen Pitches und konkurrierten in drei Kategorien um die Gunst des Publikums. Dieses entschied anschließend über die Gewinner.
Die Gewinner:
- Kategorie „Bestes Kooperationsprojekt“: mogenius und plusserver
- Kategorie „Bestes KI-Projekt“: Deepshore
- Kategorie „Beste Disruption“: VORNAC
Zum Mitglied des Jahres wurde GRASS-MERKUR aus Hannover direkt von der Jury gewählt. Glückwunsch an Muzaffer Ege, der die Urkunde in Köln entgegennahm, und an das gesamte Team des Service-Providers!
Unser Dank gilt allen Teilnehmern, Speakern, Jurymitgliedern und Sponsoren. Besonders bedanken wir uns bei Gastgeber plusserver und beim Mitglied Hewlett Packard Enterprise, das den Summit bereits im siebten Jahr in Folge als Veranstaltungspartner unterstützte.