28.03.2019

Frauen in der Tech-Branche

Es gibt tausende gute Gründe, warum die Internetwirtschaft weibliche Verstärkung braucht. Schließlich stehen zahlreiche Jobangebote dem Fachkräftemangel gegenüber oder aber homogene Teams und Denkweisen Innovationen im Wege. Die Digitalbranche boomt, täglich entstehen neue digitale Geschäftsmodelle und schaffen lukrative Jobs, doch die lassen sich Frauen noch zu häufig entgehen. Wir wollen das ändern. In unserer Serie „Frauen in der Tech-Branche“ kommen inspirierende weibliche Fach- und Führungskräfte der Internetbranche zu Wort. Dabei sprechen wir über die wirklich wichtigen Themen: von Entwicklungsperspektiven über Karrieretipps und Zukunftswünsche bis hin zu den Herausforderungen in einem männerdominierten Arbeitsumfeld und warum Arbeit in der Internetbranche Spaß macht. Zum Girls’Day am 28. März mit: Ursula Vranken, Geschäftsführerin und Gründerin des IPA Institut für Personalentwicklung und Arbeitsorganisation.

 

Was steht auf Ihrer Visitenkarte?

Ursula Vranken: Geschäftsführerin beim IPA Institut für Personalentwicklung und Arbeitsorganisation – partner for people management. Ausserdem bin ich die Mitgründerin und Geschäftsführerin des Digital Leadership Summit, der dieses Jahr wieder am 26.  Juni in Köln stattfindet.

 

Das klingt so spannend, dass ich mich direkt auf Ihren Job bewerben möchte. Was würde mich als CEO beim IPA – im Arbeitsalltag erwarten?

Vranken: Zunächst einmal sollten Sie immer einen gepackten Koffer bereithalten. Ich bin sehr viel unterwegs und reise zu meinen Kunden, die bundesweit oder manchmal auch international verstreut sind.  Und dann sollten Sie viele gute Ideen haben, wie Unternehmen zukunftsfähig gemacht werden und diese mit den Mitarbeitern gemeinsam gestaltet werden.

 

Warum ist der Girls’Day wichtig?

Vranken: Der Girls’Day hilft Mädchen bei der Orientierung für die Berufswahl. Leider ist es immer noch so, dass sich trotz guter Noten in Mathe, Bio und Chemie nur wenige Schülerinnen für die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) entscheiden. Der Girls’Day ist wichtig, da er während der Schulzeit die Möglichkeit bietet, verschiedene Berufe kennenzulernen und damit den Blick über den üblichen Tellerrand klassischer Frauenberufe hinaus öffnet. Ich halte es für sehr wichtig, dass Lehrer und Eltern Mädchen (mehr) ermutigen auch technische Berufe zu ergreifen und die damit verbunden tollen Chancen zu nutzen.

 

Sie referieren unter anderem zum Thema „Frauen nach oben fördern und führen – Tipps für das starke Geschlecht“. Wo haben Frauen denn Nachholbedarf? Und was sind im Umkehrschluss Ihre Tipps an Frauen – speziell zum Girls’Day auch gerne an Schülerinnen oder Studentinnen?

Vranken: Frauen sind oft zu bescheiden. Sie müssen in einer immer lauteren Selbstmarketing-Welt lernen, zu zugreifen und auf sich und ihre Fähigkeiten aufmerksam zu machen.  Frauen sollten klar definieren, was sie werden und haben wollen und nicht zögern, sich auch das beste Stück vom Karriere-Kuchen abzuschneiden.

 

Und was ist Ihr Tipp an Unternehmen? Kennen Sie Erfolgsfaktoren für das Recruiting oder die Mitarbeiterbindung von Frauen?

Vranken: Alles was Mitarbeiter zufrieden macht – Wertschätzung, Flexibilität, interessante Aufgaben – ist auch für Frauen richtig und gut. Was aber definitiv hindert ist, wenn ein Unternehmen ein Führungsteam von 50 Männern hat und keine einzige Frau sich darunter befindet. Ich habe das erst kürzlich erlebt. Da wird Frau sich überlegen, ob sie Lust hat sich als Quotenfrau dort zu bewerben und kann ahnen, dass hier möglicherweise keine Frauen- und familienfreundliche Kultur zu erwarten ist.

 

Wir geben Ihnen jetzt einmal einen anderen interessanten Job und machen Sie zur Arbeitsministerin: Wie sieht Ihre Kampagne aus, um mehr junge Frauen für die Internetwirtschaft zu gewinnen?

Vranken: Klasse, Arbeitsministerin wollte ich immer schon mal werden, zumal ich auch mein Diplom als Arbeitswissenschaftlerin absolviert habe. Nun aber zu Ihrer Frage: Ich glaube, Kampagnen haben wir in den letzten Jahren genug gemacht und zwar mit ziemlich wenig Erfolg.  Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, müssen wir zum einen die Arbeit an sich ändern und zwar so, dass Menschen dort ihre Talente und Potentiale entwickeln können und zum anderen in den Familien und Schulen an den Vorurteilen und Glaubenssätzen arbeiten. Generell werden Mädchen und Frauen viel zu wenig in Hinblick auf Risikobereitschaft, Unternehmertum und Karriereentwicklung gefordert – geschweige den gefördert. Es geht nicht darum, ob jemand in der Internetindustrie oder in einer bestimmten Branche arbeitet – das kann ich auch als Büro-Assistenz –  sondern, viel mehr darum, ob ich mir zutraue ein eigenes Unternehmen, ein Produkt oder Projekte zu entwickeln und daraus Business zu generieren. Was wir brauchen ist mehr Unternehmergeist.

 

Melanie Buck, Chief of Staff beim Web-Hoster GoDaddy hat uns folgende spannende Frage für Sie mitgegeben. Oft wird davon gesprochen, dass es Frauen in der männerdominierten IT-Branche schwer haben. Ich würde das gerne einmal umdrehen und fragen: Sehen Sie für sich als Frau auch Vorteile in dieser Branche? Welche wären das?

Vranken: Na klar! Als Frau falle ich vielmehr auf im Heer der Männer. Das kann Frau auch für die eigene Positionierung nutzen. Also aus der „Sonderrolle“ heraus kann ich mir Gehör verschaffen und Themen setzen.

 

Für unsere Interview-Reihe „Frauen in der Tech-Branche“ treffen wir beim nächsten Mal Stefanie Kemp, Group Chief Innovation, Transformation, Digitisation der Lowell Group. Welche Frage sollen wir ihr stellen?

Vranken: Was ist bzw. war bislang ihre „kniffligste „Führungsherausforderung“ und hatte diese etwas damit zu tun, dass sie eine Frau ist?

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Vranken!

 

Für unsere Serie Frauen in der Tech-Branche suchen wir weitere spannende Interview-Partnerinnen. Kontaktieren Sie uns gerne bei Interesse. Weitere Informationen zum Thema Frauen in der Tech-Branche finden Sie in unserer Pressemitteilung und in unserem Kompetenzgruppenbereich New Work

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